Inszenierungen |
Die Jünglinge im Feuerofen (The burning fiery furnace)Kirchenparabel von Benjamin Britten/Libretto von William Plomer
„Babylon bleibt unerlöst“
Regisseur Tobias Heyder deutet die Rahmenhandlung mutig und scharf aus: Es sind
Sträflinge, die sich an dem heiligen Sujet versuchen und es nicht ohne Brüche hinkriegen,
weil sie immer wieder in Gefängnis-Verhaltensweisen zurückfallen, ihren Mitspielenden
mit echter Gewalt, Zärtlichkeit, Ruppigkeit begegnen. Wenn zum Schluss der
Nebukadnezar-Darsteller müde grinsend am Boden sitzt und ein Akteur sogar erschlagen
daliegt, wird klar: dieses Babylon bleibt unerlöst; der triste Häftlingsalltag hat über das
mirakulöse Freizeitprogramm gesiegt. Ein utopisches Surplus bleibt freilich aufbewahrt in
der stummen Figur des Bibel lesenden Knaben - ähnlich sublim die schlichte Imagination
des Feuers durch eine Kerze, getragen von einem Ministranten.
Hans-Klaus Jungheinrich, Frankfurter Rundschau
„Tyrannen lieben starke Götter“
Der junge Regisseur Tobias Heyder ist so klug, zurückhaltend mit allem unterschwellig
oder offenkundig Aktuellen umzugehen. Heyder inszeniert blitzsauber eine Choreografie
von Gruppenabstoßung und Gruppenzwang, Vereinnahmung und Ausgrenzung. Die
kleine Bühne fällt nach vorne ab. Da ist kein Platz mehr, jedem seinen Gott zu lassen.
Mannheimer Morgen
Die Inszenierung von Tobias Heyder war gekonnt auf die räumlichen Möglichkeiten in
der Kirche abgestimmt und erreichte durch eine gute Personenführung eine Spannung,
die sich auf das beinahe andachtsvoll lauschende Publikum übertrug.
der-neue-merker
Keine Erlösung für die Häftlinge
Interessant ist die Inszenierung von Tobias Heyder. Im Original spielen Mönche die
Geschichte. Bei Heyder wird die Handlung von Sträflingen, die sich in existenziellen
Nöten befinden, auf die Bühne gebracht. Ihre Bemühungen, dem religiösen Stück einen
tief gehenden Gehalt zu verleihen, sind jedoch zum Scheitern verurteilt. Ihr Gebaren ist
auch während des Spiels grausam und rüde. Die Erlösung, die dem Stück immanent ist,
bleibt den Häftlingen versagt. Sie leben weiter ihren tristen Gefängnisalltag, sind am
Ende noch schlimmer dran als vorher.
Mainzer Allgemeine Zeitung
„Archaisch und doch berührend in der Gegenwart“
… Das Geschehen auf der Bühne war durchdacht choreographiert.
Rhein-Neckar-Zeitung
< Zurück / Weiter > |